Abgeschaffelt? Oederweg!

Mai 3rd, 2011

Frankfurt liest.

Das ist jetzt – an sich und für sich – noch nicht der Stoff, aus dem eine Schlagzeile wird. Frankfurt liest – na und? Tut es doch eh jedes Jahr im Oktober zur Buchmesse, des Frankfurter Bildungsbürgers liebstes Kind, und den Rest des Jahres lässt die Stadt sich täglich aufs neue beschirrmachern. Nichts Neues also. Aber jetzt kommt’s:

Frankfurt liest ein Buch. Ein Buch! Nicht ein Buch, sondern ein Buch! Ein einziges Buch! Nicht irgendein Buch, sondern jenes Buch, das wie kein anderes dieser Stadt auf den Büroangestelltenleib geschrieben scheint, nämlich den Abschaffel von Wilhelm Genazino.

Dieses Buch also liest Frankfurt zwei volle Wochen lang, von morgens bis abends, von Rödel- bis Bornheim, von hibb- bis dribbdebach, trepprauf, trepprunner, und wir warten schon auf ein Programmkino, das dem Abschaffel als flankierende Kulturmaßnahme einen gewissen Jean-Paul Belmondo zur Seite stellt – Sie wissen schon, Außer Atem.

Frankfurt, eine Stadt im Abschaffel-Fieber. Ausgerechnet jene Romanfigur, die sich am liebsten in reizarmer Mediokrität durchs ereignislose Leben mäandert, steht plötzlich im Rampenlicht und marathonisiert seit Montag durch die lesewütigen Kieze. Bereits am Mittwoch wird der Abschaffel schätzungsweise unter ersten Anzeichen eines abgeschaffelten Burnouts leiden, was ihn, vernünftigerweise, innehalten und zur Besinnung kommen lassen wird: Mein Müßiggang, wird er sich seufzend fragen, wo ist bloß mein geliebter Müßiggang geblieben?

Die Antwort wollen wir (mit hoffentlich freundlicher Genehmigung des Autors Genazino) durch ein nur leicht abgewandeltes Zitat aus dem Lesebuch geben:

„Abschaffel beschloss, zur Feier der Harmlosigkeit des Geschehens in den Oederweg zu gehen und dort auf der Stelle das Buffet leerzuräumen.“

Erschöpft ließ Abschaffel sich an Michas rustikalem Tresen nieder und dachte bei sich: Gottseidank gibt es in Frankfurt noch Orte, an denen nicht vergessen wird, dass zu jedem guten Buch nicht nur ein kluger Kopf, sondern zu jedem Kopf auch ein hungriger Magen gehört.
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Im Frühtau die Frikadellen

Mai 2nd, 2011

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Maßnahme zur Rettung einer Bank

Mai 1st, 2011

Die Sendung mit der Babblgosch

April 30th, 2011

Guten Morgen allerseits.

Hier spricht der Frühfunk von michas-essen-und-trinken. Das tut der Frühfunk immer dann, wenn der Micha noch unter den Schnarchenden weilt. Irgendwann in naher Zukunft wird daraus ein Podcast werden. Das ist so ein neumodisches Dings zum Anklicken, wo es nach dem Anklicken was auf die Ohren gibt, zum Beispiel coole Frühstücksrezepte, wenn der Koolschrank mal wieder leer ist.

Aber zunächst machen wir Sie mit unserer Frühfunksprecherin bekannt. Sie wurde vom Michas-Team einstimmig zur Frühfunksprecherin ernannt, weil sie ihre Klappe einfach nicht halten kann und mit dieser Angewohnheit – namentlich in den frühen Morgenstunden – schwer auf den Wecker gehen kann. Darum, so entschied das Team, schieben wir sie am besten auf eine unchristlich frühe Sendezeit, wo ihr eh keiner zuhört, weil alle anderen noch schlafen.

Sie heißt übrigens Mauldäschle, und jetzt wissen Sie auch, warum.

Ofenmopeds, visualisiert

April 29th, 2011

Ist jetzt bisschen sehr klein, oder?ofenmopeds_xs.jpg

Gefüllte Ofenmopeds

April 29th, 2011

Wenn das mal nicht der helle Wahnsinn ist:

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Gefüllte Semmeln, frisch aus dem Ofen. Gefüllt mit all den leckeren Resten der letzten Tage, als da waren: Zucchini, eingelegte Tomaten und ein paar Löffel Nudelsoße, die wiederum Speck und Paprika in Winzstückchen enthielt und bereits sehr dick und sämig geworden war.

Bevor ich all das auf den rechteckigen Hefeteig gehäufelt habe, habe ich den Teig bestrichen mit einem schon leicht verblichenen Rest Ziegenkäse, der mit dem Öl der Tomaten geschmeidig gemacht wurde. Dann die Zucchinischeiben plus Tomaten in den Teig reingedrückt und die Soße drüber verteilt, paar Würfelchen Schafskäse darauf zerbröselt.

Das ganze Wunderwerk zu einem rollenförmigen Moped zusammengeschnuddelt, dann den Großschnuddel in drei Kleinschnuddel zerteilt, den mittleren Kleinschnuddel unten mit Teig verschlossen, damit nix rausläuft und alle drei Schnuddelinchen nach oben offen aufs Blech gesetzt.

Und dann mich vor den Ofen gesetzt und den drei Schnuddelmopeds zugeguckt, wie sie vor sich hin bräunten und knusperten und dufteten. Während der Rest der Welt sich vor die Glotze gesetzt hat und den zwei englischen Monarcho-Mopeds beim Heiraten zugeguckt hat. Meine Show war besser, ich schwör’s.

Grüner Spargel, gratiniert mit HTML-Knäcke

April 24th, 2011

Ostern, so viel steht fest, war heuer für mich das ultimative Grüner-Spargel-Erweckungs-Erlebnis. Als krönenden Abschluss der GrüSpaZ (grünster Spargel aller Zeiten)-Trilogie gab es heute mit Parmesan gratinierten GrüSpaZ.

Leider Gottes gibt es zu diesem Rezept keinen Gemeindebrief, und nochleidergöttlicher weilte der Micha über Ostern auf Sylt und war daher unansprechbar. Ich also im Internet rumgegroovt und rausgekriegt, dass Parmesan vermischt mit Semmelnbröseln plus obendrauf Butterflöckchen eine erstklassige Gratinage ergibt. Ans Werk!

Das Grundrezept bleibt ja immer dasselbe, siehe Gemeindebrief. Heute wurde der Spargel abgelöscht mit Balsamico und süßer Sahne. Dann rein in die Auflaufform. Dann den Parmesan mit den Semmelnbröseln vermischen…und da geschah das Unvorhersehbare, was mir die Petersilie verhagelte und meine Gratinage zu ruinieren drohte: Das Päckchen mit Semmelnbröseln enthielt gar keine Semmelnbröseln, sondern Soßenbinder! Wie konnte ich mich nur so täuschen! (Ist aber, am allerleidergöttlichsten, typisch für mich.) Was tun?

Herr, lass irgendwas Bröseliges vom Himmel fallen, flehte ich fromm in den österlichen Himmel, und siehe, der Osterhase erhörte mich und flüsterte: Nimm doch einfach Knäckebrot! Erst fragte ich den Osterhasen, ob er noch alle Tassen im Schrank hätte, was dieser sich verbat mit der Retourkutsche, ich hätte ja noch nicht mal Semmelnbröseln im Schrank. OK, ich ließ es also knirschen, zähneknirschend zerknirschte ich vier Scheiben Knäckebrot mit einer leeren Apfelweinflasche (kein Nudelholz im Haushalt) zu feinsten Knäckebrotbröseln. Parmesan (gottseidank war der tatsächlich existent und keine Fata Morgana) gerieben, alles auf den Spargel getürmt, Butterflöckchen obendrauf, zack, der Rest war Backofen.

Was soll ich sagen? Es war die leckerste, knusprigste, unwiderstehlichste Gratinage meines Lebens. Verdient es unbedingt, in den Olymp von Michas Notnagel-Rezepten aufgenommen zu werden. Damit ist die österliche GrüSpaZ-Dreifaltigkeit am Ende.

Meine Nerven übrigens auch. Weil, diese BlöBloZ (blödeste Blogsoftware aller Zeiten) macht die Zeilenumbrüche einfach nicht so, wie ich es will. Schaffe ich aber auch noch. Wäre ja gelacht – denn wer sich in drei Tagen zur GrüSpaZ-Expertin mausert, kriegt auch die BlöBloZ geknäckt, ähm, geknackt. Spätestens an Weihnachten.

Salade à la Véronique

April 22nd, 2011

Ha! Der Lenz ist da und mit ihm die Vöglein, trallala. Und ich vom grünen Spargelvirus voll erwischt. Was heißt Lenz, heute herrschen bereits hochsommerliche Temperaturen – da ist leichte Küche angesagt, also Spargel ohne Mehlschwitze, denn schwitzen tu ich so schon genug.Womit ich sagen will, dass ich Michas April-Gemeindebrief (Thema: Spargel) weiterhin am kreativen Unterwandern bin und heute den epochalen „Rödelheimer Veronika-Salat“ komponiert habe. Kann mir jeder folgen? Veronika, wer wüsste das nicht, reimt sich auf Spargel, so viel bildungsbürgerliches Knowhow ist vorauszusetzen.Es glaubt ja keiner, wie wunderschön der grüne Spargel auf einem satten Bett an rotem Lollo-Salat ausschaut. Wieder hielt ich mich strikt an des Hirten Rezeptvorgaben, nur halt ohne Mehl, ohne Sahne und ohne Apfelwein (den hatte ich vor lauter Spargel-Tunnelblick vergessen zu bevorraten). Was aber nicht nur egal, sondern gut war, denn so blieb mir nichts anderes übrig, als mit einem Schuss Balsamico-Essig abzulöschen – Mann, das kickt! Noch ein bisschen Gemüsebrühe in die Pfanne, schön reduzieren, aber nicht komplett, sondern grad so viel, dass noch etwas Spargel-Essig-Brühe-Fond übrig blieb. Diesen wiederum mit Olivenöl zu einem Salatdressing verlängert, welches der Veronika auf der Stelle die Socken ausgezogen hätte.Dann den lauwarmen grünen Spargel auf den dunkelroten Lollo gesetzt und befunden, dass das Ganze ausschaut wie ein Gedicht. Geschmeckt hat es ebenso. Und auf eine so angenehm leichte Art gesättigt, dass ich beschlossen habe, nächstes Mal die doppelte Menge Spargel und die dreifache Menge Lollo zu nehmen. Bei den letzten Happen war mir so, als würde Veronika mir zugurren: Hey, du darfst ab heute Lollita zu mir sagen!

Sparjel uff de Disch

April 20th, 2011

Weil ich ein frommer Mensch bin, habe ich mir heute Michas April-Gemeindebrief zu Herzen genommen und mich an sein grünes Spargelrezept gewagt. Muss dazu sagen, dass ich ein Spargel-Koch-Dummie bin und mir bis heute eingebildet habe, von Spargelzubereiten nichts zu verstehen. Seit heute bilde ich mir was auf meine, ähm, also Michas Spargelzubereitungskünste ein.Weil ich ein frommer, jedoch nicht höriger Mensch bin und außerdem den Schlüssel zu meinem Weinkeller grade verlegt habe, musste ich bei den Zutaten improvisieren, vulgo: bastardisieren. Statt des empfohlenen Silvaners löschte ich also den Spargel mit einem ordentlichen Schuss Apfelwein ab, und falls der Micha jetzt vor Entsetzen ins Koma fällt, sollte er diesen Post gleich ablöschen.Mann, hat das gut geschmeckt. Wie der Hirte schon anmerkte, blieb der zarte Spargelschmack direkt in der Sosse statt im Kochwasser, die Sahne machte die Sache wunderbar sämig und der Spargel geriet dank kurzen scharfen Anbratens köstlich bissfest, ganz ohne die übliche Schlabberkonsistenz dieses Frühlingsgemüses.Durch diese Erfolgsstory süchtig geworden, gehe ich morgen nochmal grünen Spargel kaufen. Den gibt es nämlich grade im Sonderangebot für 1,99 Euro das Pfund -unglaublich schlanke, zarte Dinger sind das – natürlich sage ich nicht wo, denn hier wird keine Schleichwerbung gemacht.Wissen müsste ich allerdings noch, wieviel Schale an dem zarten schlanken grünen Spargel eigentlich abgeschält gehört – mich dünkt, ich habe viel zu viel geschält. Woran merke ich denn, wieviel ich abschälen muss? Mehr als nur am unteren Drittel? (So viel zum Thema: „Spargel schälen – könnt Ihr“. Von wegen.) Ansonsten hat der gute Hirte die Wahrheit („leckerstes Kurzzeitkochen“) und nichts als die reine Wahrheit gesprochen. Wie es sich für einen anständigen Gemeindebrief gehört.

lat. renovare – Erneuern

März 16th, 2011

Es ist unfassbar. Am Samstag nach 16.30 fängt eine der Zeitdichte bewusste Frau-Mann-Schaft ( viel zu spät) mit dem Ausräumen des vorderen Ladens an.

Ausräumen ! Ein einfacher Begriff für echten Irrsinn. Und alle beschimpfen mich als Messie (nicht Renovierungs-Messias!) , der sich tränenreich von Sachen trennt, die ihm ein Kunde vor über 18 Jahren zur Eröffnung geschenkt hat – welcher Kunde und wie war die Originalfarbe vor der Verstaubung wirklich ? –  also ihr merkt schon – es war/ist notwendig!

Das „Tupfen'“ der Ladendecke (war vor fast 19 Jahren todschick) dauerte damals mindestens drei lange Tage – das Weißeln ging dann doch dramatisch schnell.

Kurz und schmerzvoll – am Sonntagabend so gegen 23.oo h war nach vielen Niveauabstürzen der Laden wieder eingeräumt –  geputzt, entstaubt, entfettet und neu gestrichen.

Weiß – hell – mit einem mediterranen roten „Schweinerotlauf“ (extrem viel Arbeit und Gefummel !) – und groß und schön.

Wir waren alle total stolz und sind hochzufrieden in den Betten verschwunden – in den eigenen !

Und dann kommt der Moment des ersten Kunden – resp. des zweiten.

Der erste kam schon Sonntag nach 21.ooh sichtlich beeindruckt – war wohl nicht mehr so „ganz alleine“ – wenn ihr wisst, was ich meine.

Ab Montag hat das außer einer einzigen Stammkundin – nach einigen Invasionen – kein Mensch gemerkt.

Und das beeindruckt mich wirklich – nachhaltig.

Wir haben’s nur für uns gemacht – quasi ein „Kehraus“ und der Einzug einer gewissen Leichtigkeit macht unsere Herzen reiner und feiner.  Sauber !